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2964 Garmisch: Das Kreuz mit dem Kreuz

Seit April hat Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze, ein frisch vergoldetes Gipfelkreuz – und die findigen Modemacher der bayrischen Firma 2964 Garmisch ein Problem weniger mit ihrem Namen.

2964garmisch_alpine_mode_02 BildPlötzlich war es weg, das Kreuz. Im Januar 2009 hatte ein Helikopter das 300 Kilogramm schwere Stahl-Werk der Zugspitze einfach abtransportiert – und der mit 2962 Metern höchste Berg Deutschlands bei Garmisch-Partenkirchen stand drei Monate lang ohne Wahrzeichen da. Es musste neu vergoldet und auf’s Neue gesegnet werden.

Für die Modemacher von 2964 Garmisch war das Fehlen des Kreuzes auch ein Fehler im Firmennamen. Denn die Markengründer Thomas Grasegger von der Garmischer Trachtenmanufaktur Grasegger und Christian Bauer hatten doch extra zwei Meter drauf gelegt, auf die Höhe der Zugspitze. Weil genau dort die Mitte des Gipfelkreuzes ist. „Deutschlands höchste Mode“ heißt sowas dann.

2964garmisch_alpine_mode_01 Bild2964 Garmisch ist die 2006 gestartete deutsche Antwort auf die immer zahlreicheren Nostalgie-Label wie das südtirolerische Luis Trenker. Es ist die zurzeit sehr populäre Idee, sich auf die Wurzeln alpiner Bekleidung zu besinnen, dabei aber traditionelle Elemente wie Stickereien oder Applikationen aus ihrem Ursprung zu lösen, um sie, wie es im Mode-Sprech heißt, „zeitgemäß zu übersetzen“. Da werden im Winter Materialien wie Cashmere und Alpaca mit Fleece, Loden oder Schurwolle gemischt und im Sommer Naturfarben wie Sand oder Schiefer mit Stahl und Granit – oft in ausgefallenen Waschungen und Steppungen, oft mit patinierten Münzknöpfen und Kontrastnähten.

„Wir kommen aus dem Alpinismus“, erzählt der österreichische Designer Erwin Hanel, „und deswegen wollen wir die Bergwelt auch immer wieder nachempfinden“. Die Stoffe ordert 2964 Garmisch nach Möglichkeit in der Nähe. Der Loden zum Beispiel kommt vom letzten bayerischen Lodenhersteller, der früher schon Päpste und Könige beliefert hat. Verkauft werden die Jacken, Hosen, Poloshirts auch in Übergröße aber mittlerweile auch in den USA, in Polen, Schweden, England oder Norwegen. Insgesamt seien es mehr als 150 Läden, heißt es bei 2964 Garmisch.

2964garmisch_alpine_mode_03 Bild„Unsere Welt wird immer komplizierter und schwieriger“, erklärt 2964 Garmisch-Gründer Grasegger, „und das verstärkt die Suche nach Heimat und Identität, nach Wurzeln. Schauen Sie sich doch mal die jungen Leute an, die heutzutage alle wieder gerne Tracht tragen.“  Seiner Ansicht nach öffne sich da gerade etwas: „Weg vom Schubladendenken: Die da in den Bergen!“ Und das Schöne: Mittlerweile wird das, was die da in den Bergen seit Jahrzehnten und Jahrhunderten tragen, auch in ihrer Funktionalität geschätzt. Loden zum Beispiel gilt in der Modebranche als Funktionsmaterial schlechthin, weil der Aufbau der Fasern eben erwiesenermaßen nicht nur gegen Kälte schützt, sondern auch gegen Nässe.

Die Ettaler Straße 3 in dem Örtchen Farchant bei Garmisch-Partenkirchen: Hier entwirft Hanel die Jacken-Modelle mit Namen wie Daisy, Daphne oder Dunja für die Damen oder Shirts wie Rotwand, Nils oder Tim für die Herren. „Ich entwerfe keine Tracht“, sagt er, „sondern eine andere Form alpiner Mode, die überall getragen werden kann.“ Und die ist eben mal eng, mal weit. Sogar Gürtel gibt es neuerdings, die, aus heimatkundlichen Gründen, schlicht „Isar“ oder „Loisach“ heißen. _ Text: Stefan Ruzas – Fotos: Anja Wechsler

www.2964garmisch.de