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„Darf ich vorstellen: Fuzzy, das ist Fuzzi“

fuzzyfuzzy04 BildVor 35 Jahren wurde sie nach ihm benannt – was er nicht wissen konnte. MONTE bringt Trickski-Legende Fuzzy Garhammer und Kostümbildnerin Fuzzi Fisser nun endlich zusammen.

MONTE: Darf ich vorstellen, Fuzzy, das ist Fuzzi. Fuzzy, das ist Fuzzi.

Andrea Fisser: Schön, dich endlich mal kennenzulernen, Fuzzy. Immerhin heiße ich seit 35 Jahren wegen dir Fuzzi. Und das nur, weil ich im Alter von vier Jahren beim Skifahren immer mit einem knallgelben Helm die Piste runtergeheizt bin, meinen Geschwistern hinterher. Irgendwann kam dann mal eine Sprungschanze, über die ich eher aus Versehen drübergeschnalzt bin, um dann in einer Tanne zu landen. Mein Onkel Hans, der auch dabei war, rief: „Mei, du foast ja wie da Fuzzy!“. Der Name ist mir einfach geblieben, nur eben mit einem „i“ am Ende. Ich höre auf diesen Namen wie auf meinen eigenen, obwohl es ja eigentlich deiner ist. Alle nennen mich so. Die Familie, Freunde, alle. Früher, als ich noch blasser war, nannte man mich sogar „Alabaster-Fuzzi“.

MONTE: Aber Sie, Herr Garhammer, heißen doch im wirklichen Leben auch nicht Fuzzy sondern Heinrich.

Heinrich Garhammer: Ich habe meinen Fuzzy, glaube ich, von dieser Western-Komikfigur. Das war immer der mit dem verstrubbelten Haar und dem Hut, der quer auf dem Kopf saß. Bei mir ging das los, als ich 14 war. Ich heiße also jetzt schon seit 46 Jahren so. Und mir geht es genau wie dir. Alle nennen mich Fuzzy. Sogar meine Frau. Schwierig wird’s nur, wenn sogar irgendwelche Dokumente auf „Fuzzy“ ausgestellt werden. Neulich war ich mal in Dubai und musste in den Iran weiterfliegen. Auf keinem meiner Papiere stand „Fuzzy“, nur auf dem Ticket. Mitfliegen lassen haben die mich trotzdem.
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MONTE: Was bedeutet Fuzzy überhaupt?

Garhammer: Das hat zwei Bedeutungen im Englischen: Man kann es mit „Daunen“ übersetzen, also etwas Luftigem, aber auch mit „gerissen“ oder „magisch“ – natürlich nur im positiven Sinne. Mit diesen „Futzis“ haben wir jedenfalls rein gar nichts zu tun.

Fisser: Es gibt doch sogar Waschmaschinen, die so heißen, oder?

Garhammer: Oh jaaa, „fuzzylogic“. Das hat Siemens mooordsmäßig schützen lassen.

Fisser: Und dann gibt’s da ja noch die Anmache unter dem Tisch, das Füßeln. Heißt auch „Fuzzy“. Hat mir jedenfalls ein Engländer erklärt, mit dem ich mal näher zusammen war.

MONTE: Klingt danach, als gäbe es auch jede Menge Kosevarianten.

Fisser: Meine Mutter sagt, wenn sie es ganz lieb meint, „Fuzzelchen“. Meine spanischen Freunde, die das „zz“ nicht aussprechen können, nennen mich „Fu“. Und die Taschenkollektion, die ich nebenbei entwerfe, heißt „Fu-Fu“. Das heißt ja auf Französisch „verrückt“ und ich glaube Fuzzy-Fuzzis sind immer verrückt.

Garhammer: Also ich bin manchmal einfach der „Fuzz“. Wobei ich heilfroh bin, dass ich das „y“ als Endung habe. Ich nehme an, das „i“ ist dann doch eher die weibliche Variante.

Fisser: Vor allem in der Schweiz…

Garhammer: Ach du lieber Gott, die Schweiz. Da fangen dann alle an zu kichern…

Fisser:….weil Fuzzy auf Schwyzerdütsch dieses eine schlimme Wort für das weibliches Geschlechtsteil ist! Ich habe Freunde in der Schweiz, die weigern sich bis heute, mich Fuzzi zu nennen.

Garhammer: Ich habe ja früher viele Folgen dieser „Teleski-Gymnastik“-Reihe gemacht. Im Abspann gab es dann immer die Zeile „Fuzzy, der Pistenschreck“. Das hat mich in der Schweiz jahrelang verfolgt. Da haben sich wildfremde Menschen vor mich hingestellt und gerufen: „Du bischt dr Fuzzy? Hahahahaha!!“ Die hatten wohl noch nie die männliche Form gesehen.

Fisser: Wahrscheinlich spricht mein Vater deswegen lieber von „dem Fuzzi“, wenn er mich meint. Ich bin „der Fuzzi“. Aber das hat wahrscheinlich immer noch mit deinen Trickskikünsten zu tun. Fährst du denn überhaupt noch Trickski?

Garhammer: Logisch. Wenn man locker Ski fahren möchte, ist man automatisch irgendwie Freestyler. Trickski oder Freestyle ist doch nichts anderes als variantenreiche Skifahren.
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MONTE: Als gebürtiger Niederbayer hatten Sie aber nicht gerade besonders lange Pisten zum Üben.

Garhammer: Ich hatte aber sechs Geschwister, die genauso abenteuerlustig waren wie ich. Einer von denen ist leider beim Drachenfliegen abgestürzt. Meine Brüder und ich, wir gehörten ja zu den Pionieren, die in Deutschland mit dem Snowboard unterwegs waren. Und mit dem Drachenfliegen haben wir hierzulande auch den Anfang gemacht. Wir waren sogar die ersten überhaupt, die von der Zugspitze mit dem Drachen gestartet sind. Ein Amerikaner, der das vor uns machen wollte, hatte sich glücklicherweise im Gipfel vertan. Der ist aus Versehen von der österreichischen Seite des Zugspitzmassivs, vom Schneefernerkopf, gestartet. Diese Drachenflüge am Anfang, da gab’s ja Riesenprobleme. Als wir von der Zugspitze gestartet sind, da haben uns unten auf den Straßen immer fünf Streifenwagen verfolgt. Ich bin dann extra einen Umweg geflogen, um die irgendwie abzuhängen. Auf dem Parkplatz der Osterfeldbahn bin ich gelandet. Der Parkwächter dachte, jetzt kommt ein Marsmensch. Ich habe den Drachen ganz schnell auseinandergeschraubt und versucht, mich zu verstecken, aber gefunden haben sie uns trotzdem. Zur Belohnung gab’s später sogar ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft und beim Luftamt Süd mussten wir auch antreten. Wir hatten ja keine „Außenlandegenehmigung“. Den Brief habe ich bis heute. Allein wie das geschrieben war, da lachst du dich kaputt.

MONTE: Sie waren 1973 Trickskiweltmeister. Sie sind ein begehrter Werbefilmer und -fotograf. Sie haben mit Willy Bogner wilde Skifilme gedreht. Sie haben sich für eine TV-Serie als Spaßvogel auch schon mal in Schottenröcken auf Ski an die Speaker’s Corner des Londoner Hyde Parks gestellt. Sie waren einer derjenigen, der versucht hat, Swingbo in Deutschland populär zu machen, eine Art Skateboard im Schnee. Sie organisieren den Cup der weltweit stärksten Männer und steigen mit dem Ex-Boxweltmeister Sven Ottke mal eben auf den Kilimandscharo. Sie fliegen Drachen, Sie fahren Freestyle-Ski, Sie klettern in den Bergen und Sie feiern nun Ihren 60. Geburtstag…

Garhammer: …zum Glück habe ich noch das Surfen entdeckt, das Wellenreiten. Aber im Wasser bin ich irgendwie ein Depp.

MONTE: Und wieviel Sport macht Fuzzi?

Fisser: Schwierig. Ich lebe in Berlin und arbeite da als Kostüm- und Bühnenbildnerin. Ein Kinderbuch habe ich auch schon geschrieben. Wenn ich in den Bergen bin, mache ich am liebsten Skitouren – zusammen mit meinem Hund. Ein 3000er habe ich auch schon geschafft. Aber irgendwie bin ich nie richtig ausgerüstet. Während die anderen Lawinenpieper hatten, hatte ich nur ein Feuerzeug, um notfalls in der Lawine zu erkennen, wo oben und unten ist. Und als ich oben war, war ich so erschöpft, dass ich mir einen Moment lang überlegt, ob ich sterben darf.

MONTE: Klingt alles recht wild und herausfordernd. Würden Sie anderen Menschen den Namen Fuzzy empfehlen – ob mit „i“ oder „y“?

Garhammer: Also ich habe ja zwei Jungs, aber die heißen Max und Moritz.

Anne Hilmer (Fuzzy und Fuzzi im Gespräch)
Interview: Stefan Ruzas Fotos: Ernst Garhammer

1 Antwort
  1. Thomas Büchner
    Thomas Büchner sagte:

    Lieber Fuzzy,

    ich hoffe daß es Dir gut geht.
    Als Kind warst Du ein Idol für mich. Ich konnte es kaum erwarten Deine waghalsigen Schiläufe zu sehen. Heute wo ich nebenberuflich Schilehrer bin und hauptsächlich mit Kindern arbeite ist mir mehr und mehr bewußt wie wichtig Deine nicht regelkonformen Abbfahrten waren.
    Meine Frage ist nun, wo ich eventuell Videos darüber finde, da ich Sie gerne den Kindern in unterhaltsamerweise zeigen möchte. Somit kommt ein teil meiner Kindheit wieder zurück und den Kids, nebst lernen, gefällt es mit Sicherheit auch.
    Alles Gute und ich hoffe von Dir zu hören.

    Liebe Grüße aus Österreich

    Thomas

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