Für Freunde der Sonne

Lange Zeit galt das französische Departement Hochsavoyen als eines der ärmsten in Frankreich. So arm, dass viele Kinder in die Städte geschickt wurden, um sich dort als Schornsteinfeger zu verdingen, da sie sonst zu verhungern drohten. Glücklicherweise haben sich mit dem Anstieg des Wintertourismus auch die Lebensumstände für die Bevölkerung verbessert, und heute gilt Hochsavoyen als eine der schönsten und traditionsreichsten Wintersportregionen weltweit.

Sonnenterrasse in den Portes de Soleil

Sonnenterrasse in den Portes de Soleil

Im Chablais, einer Region südlich des Genfer Sees, liegt mit den „Portes du Soleil“ das wohl größte und abwechslungsreichste Skigebiet der Alpen, wenn nicht sogar der ganzen Welt. Insgesamt gehören 12 Stationen diesem grenzüberschreitenden Skiverbund an: in Frankreich im Departement Haute-Savoie sind es Abondance, Avoriaz, Châtel, La Chapelle d’Abondance, Les Gets, Montriond, Morzine-Avoriaz, St.Jean d’Aulps, im Wallis auf schweizer Seite Champéry, Morgins, Torgon, Val-d’Illiez- Les Crosets-Champoussin. Die 283 Pisten mit einer Gesamtlänge von über 650 km liegen zwischen 1000 und 25oo Metern. Hinzu kommen bis zu 10 Snowparks und 90 Restaurants, 250 Langlaufkilometer und knapp 200 Gondeln bzw. Liftanlagen.

Trotz der relativ geringen Höhe sind die klimatischen Bedingungen nahezu ideal und machen das Gebiet sehr schneesicher. Wenn nämlich die feuchte Atlantikluft aus dem Westen über Frankreich heranzieht, schieben sich ab Ende November dicke Schneewolken ungehindert das gesamte Rhonetal bis in die „Portes du Soleil“ hinauf. Andererseits bleibt der Schnee auch lange liegen, da die warme Luft aus Italien südlich vom Chablis am Alpenhauptkamm hängenbleibt. Aufgrund der Schneemenge, der Weitläufigkeit und Vielfalt des Gebietes sind wirklich allen Wintersportfans hervorragende Voraussetzungen geboten, egal ob ober- oder unterhalb der Waldgrenze, im Gelände, in den perfekt geshapten Snowparks oder auf den breiten, bestens präparierten Pisten.

An der Ostseite des Col de Chavanette liegt mit der berühmten „Schweizer Mauer – Le Mur Suisse“ eine der schwierigsten Pisten der Alpen. Mit einem Höhenunterschied von 400 Metern auf nur 1000 Metern Länge ist sie eine der steilsten Abfahrten. Bei einem Gefälle von bis zu 50 Grad  können die Buckel bei starkem Schneefall gut zwei Meter hoch sein.

Wegen seiner Abgeschiedenheit und den harten Lebensbedingungen  gehörte das Departement Hochsavoyen zu den ärmsten Regionen Frankreichs. Dank des aufkommenden Tourismus blieb die Region jedoch von einer großen Landflucht verschont. Die meisten Dörfer, wie z.B. Chalet, Le Gets oder Morzine haben ihren ursprünglichen Charme bewahrt und es geschafft, ihre Authentizität mit Qualität gleichzusetzen. Nebenbei sind viele Stationen auch noch besonders kinderfreundlich, und tragen nicht ohne Grund das Prädikat „Famille Plus Montagne“.

Obwohl die Region ihren natürlichen Charakter überwiegend erhalten hat, gibt es mit dem seit 1965 entstandenen Avoriaz auch eine der größten Bettenburgen im Alpenraum. Sie liegt ziemlich genau zwischen Châtel und Les Gets auf ehemaligen Almen oberhalb des Felsriegels von Morzine. Von hier aus begann die Erschließung dieses grenzüberschreitenden Gebietes. Ursprünglich wurde der ehemalige französische Abfahrtsolympiasieger Jean Vuarnet mit Hilfe seiner Architekten damit beauftragt, ein „Saint Tropez de Neige“, also ein Wintersportzentrum für die High Society zu entwerfen. Doch mit den Jahren hat sich die Retortenstadt zu einer Mainstreamstation entwickelt, die vor allem bei Familien und beim sportbegeisterten Jungvolk hohen Anklang findet. Immerhin liegt der komplette Skizirkus dem Gast zu Füßen: „Ski aux pieds“. Einkaufsmöglichkeiten, Bars und Restaurants sind mit wenigen Schritten zu erreichen. Der Ort ist gänzlich Autofrei! Diese verschwinden am Tag der Anreise in der Tiefgarage, einzige Transportmittel sind Pferdekutschen.

Die Gestaltung von Avoriaz war damals völlig untypisch für einen Skiort. Die Architekten, inspiriert von ihrer Ikone Le Corbusier und dessen kühler Funktionalität, entwarfen Gebäude mit bis zu 16 Stockwerken, hauptsächlich aus Beton und mit rotem Zedernholz verkleidet. Von Morzine, dem Nachbarort, aus gesehen, denkt man im ersten Moment an steil aufragende Felsformationen und muss schon genauer hinsehen, um zu erkennen, dass es sich um Bauwerke  handelt, die sich in die eigentliche Landschaftsstruktur einbetten. Hinter dem Konzept steckte schon damals ein visionäres und klares Ziel: möglichst viele Menschen auf engem Raum zu bündeln, ohne die Natur unnötig zu belasten. Für Wintersportler perfekt, für Freunde von Tradition ein absoluter „No Go“. Dennoch, der einheitliche Baustil hat sich bis heute bewahrt, so dass Avoriaz zwar nicht wirklich schön ist, aber durchaus einen gewissen Reiz besitzt.

Im Februar haben die Franzosen Wintersportferien. Während dieser Wochen steppt wie in allen bekannten Skigebieten der Bär, und auch die Pisten um „Portes de Soleil“ gleichen einem Bienenstock. Ansonsten hat man hier wirklich viel Platz, kaum Wartezeiten und kann das Wintersportangebot sehr entspannt genießen. Tipp: gerade im März finden sich einzigartige Bedingungen zum Frühjahrsskifahren. Viel Schnee, wenig Leute und traumhafte Temperaturen.

Zu empfehlende Restaurants und Unterkünfte:
Chatel:
Hotel Macchi: www.hotelmacchi.com
Restaurant La Table d’Antoine:  Tel.: +33 (4) 50 73 29 53 
www.table-antoine.com
Restaurant Le Vieux Four: Tel.: +33 (4) 50 73 30 56 www.levieuxfour-chatel.com

Morzine:
Hotel Le Dahu:  www.dahu.com
Hotel Le Samoyede: www.hotel-lesamoyede.com/