Früher war eh alles besser – und aus Holz

Nostalgisches Skifahren: Ski und Outfit sind original

Nostalgisches Skifahren: Ski und Outfit sind original

Große Flocken schweben vom Himmel, als ich mit den Skiern den sanften Hügel bergauf stapfe. Der Schnee ist weich und griffig. Müsste doch irgendwie gehen, diesen Hang zu bezwingen. Immerhin bin ich eigentlich eine gute Skifahrerin – wenn ich in Hightech Equipment auf bestens präparierten Pisten stehe. Aber so? Nostalski-fahrend? Meine Ski sind original aus den 50er-Jahren. Holz pur, geschätzte 7 Zentimeter dünn, über 1,70 Meter lang und sogar schon mit „Stahlkanten“ versehen. Die Bindung? Ein Drahtseil, das um den Schuh gelegt und mit einer Art Schnappverschluss vorne auf Zug gebracht wird. So dass der Schuh einigermaßen Halt hat. Aber der Fuß im Schuh? Auch dieser ein echter Lederschuh, der locker über ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat. Später gaben Innenschuhe dem Fuß mehr Stabilität. Das fehlt hier komplett. Kurz über dem Knöchel endet das Modell, die einfache Verschnürung ist nicht wirklich festzuzurren und die dünnen Ränder drücken schmerzhaft auf die empfindlichen Fesseln.

Beim Nostalgie-Skifahren gibt es keinen Lift

Beim Nostalgie-Skifahren gibt es keinen Lift

Aber obwohl damenhaft bekleidet, will ich keine Mimose sein und stapfe tapfer aufwärts. Um mich herum diverse Herren und eine weitere Dame, deren Outfits ebenso zu ihren Skiern passen wie meines: Kniebundhosen mit Wolljacket, Lodenjanker und wallende Kotzen – das sind Umhänge, wie Jäger oder Waldarbeiter sie trugen. Lange, weiße Unterhosen spitzen unter kurzen Lederhosen hervor. Die vornehmen Herren trugen Loden- und Wollgamaschen zu ihren Knickebockern. Auf den Köpfen thronen Jägerhüte, Schirmmützen und andere Hauben.

Ich werde in ein rotes Kostüm gesteckt mit „kurzem“ Rock, der bis zur Mitte der Waden geht, und langer, weißer Angoraunterhose – und heiße während dieses Skivergnügens fortan nur „die Baronin“. Die zweite Dame im Bunde, „Freifrau von und zu …“, darf schon – ganz emanzipiert – Hosen tragen. „Mach den untersten Knopf beim Fahren auf, das verschafft mehr Bewegungsfreiheit“, sagt mir Barbara, die freundliche Helferin im Wintersportmuseum  in Mürzzuschlag, die uns allen die originale Skibekleidung von Anno dazumal zusammenstellt.

Eleganz sieht anders aus als beim Nostalgie-Skifahren

Eleganz sieht anders aus als beim Nostalgie-Skifahren

In der kleinen Stadtgemeinde Mürzzuschlag gibt es nicht nur eines der größten Wintersportmuseen Europas. Seine Sammlung an historischem Material dürfte die weltweit größte sein. Dieser Fundus ermöglicht es dem passionierten Historiker und Museumsdirektor Hannes Nothnagel, ausgewählte Skiausrüstung und Kleidung denjenigen für ein paar Stunden zur Verfügung zu stellen, die gerne eine Zeitreise zu den Anfängen des Skisports machen möchten.

Echte Lederschuhe aus den 40er bis 50er Jahren

Echte Lederschuhe aus den 40er bis 50er Jahren

Die „Anfänge des Skisports“ sind hier in der Hochsteiermark wörtlich zu nehmen. Nicht Kitzbühel, nicht der Arlberg, nicht Lilienfeld oder Davos ist seine Wiege. Es ist das Skigebiet um Mürzzuschlag, nur gute 100 Kilometer von Wien entfernt. Hier fand vor 120 Jahren – das ist dokumentiert –, im Februar 1893 der „1. Internationale Skiwettlauf“ Mitteleuropas statt. Er wurde die Geburtstunde des Skisports. Von Wien aus war es für das neue Bürgertum und die hohe Gesellschaft ein Katzensprung ins Gebirge. Der Semmering, ein paar Kilometer von Mürzzuschlag entfernt und gerade noch in der Steiermark – aber hart an der Grenze zu Niederösterreich – wurde zum beliebtesten Pistenziel für die Wiener – und ist es auch heute noch.

Die Ski aus alten Fassplanken.

Die Ski aus alten Fassplanken.

Ich befolge also ihren Vorschlag, den Knopf zu öffnen, und versuche, im Stemmbogen das Gleichgewicht zu halten und die Ski irgendwie zum Um-die-Kurve-fahren zu bewegen. Mit viel Mühe gelingt es mir. Neidisch, besser: bewundernd blicke ich auf Karl, Hannes und seine Spezl, die zum Teil auf noch unmöglicheren Skiern wie Fassplanken den Hügel hinab gleiten. O.K., sie machen das mit ihrem Nostalgiskiteam seit Jahren und dürfen bei der Eröffnungszeremonie zur Ski-WM in Schladming ihr Fahrkönnen vorführen. Aber trotzdem … Hund’ waren’s schon, die ersten Skifahrer – und Skifahrerinnen.

 

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