Iglus sind völlig überbewertet

Im Salewa Basecamp übernachtet man im Zelt auf 2.300 Metern Höhe – und das mitten im Winter. MONTE-Autorin Gabi Vögele hat es ausprobiert.

Basecamp Meran

Probeliege im Basecamp bei Meran

Eine Nacht im Zelt. Nichts Besonderes, wenn man schon auf Jeepsafari in Botswana unterwegs war und nachts respektvoll den Geräuschen von Elefanten und Flusspferden gelauscht und beim Trekking in Ladakh auf über 4.000 Metern mit der dünnen Luft gekämpft hat – beides im Zelt.

Dieses Mal also soll es eine Zelt-Übernachtung in Südtirol sein. Klingt nicht ganz so exotisch. Allerdings haben wir Dezember und das Zelt steht auf einem verschneiten Plateau auf 2.300 Metern Höhe inmitten der Sarntaler Alpen. Im Skigebiet Meran 2000 haben die Kurstadt Meran und der Ausrüster Salewa hier ein Lager mit 14 Expeditionszelten aufgeschlagen. Im „Salewa Basecamp Meran“ sollen Bergbegeisterte ein bisschen Expeditionsluft schnuppern können, ohne gleich als Extrembergsteiger auf die umliegenden Dreitausender oder noch höher klettern zu müssen. Eine Nacht in einem alpinen Basislager, buchbar im Pauschalpaket. Bergabenteuer zum Reinschnuppern, mit der Mittager Hütte gleich nebenan als sicherem Rückzugsort, wenn es dann doch zu unbequem wird im Zelt.

Die Idee zu diesem Zeltlager im Schnee hatte Alex Meister, Hotelier und Kurverwaltungspräsident in Meran. „Als begeisterter Sportkletterer habe ich als Jugendlicher selbst immer wieder im Zelt am Berg übernachtet“, erzählt er . „Diese besondere Atmosphäre am Berg, die Ruhe dort oben und der sternenklare Himmel fern der Lichter der Stadt – das wollte ich auch Meran-Besuchern ermöglichen, die sonst vielleicht nicht zu extremen Bergtouren aufbrechen“, erklärt der ehemalige Leistungssportler, der in seiner Jugend nicht nur als Kletterer, sondern vor allem auch als Tennisspieler aktiv war.

Filzpantoffel für die Gäste des Basecamp

Warme Füße: Filzpantoffel für die Gäste des Basecamp

Allzu große Anstrengung verlangt der Weg ins Basislager unserer kleinen Gruppe von Bergabenteurern, angeführt von Alex Meister selbst, tatsächlich erst einmal nicht ab. Der Initiator ist bei jeder Übernachtung im „Basecamp“ selbst dabei, will sehen, wie es den Teilnehmern bei dem Abenteuer ergeht und wohl auch selbst mal wieder die besondere Berg-Atmosphäre erleben.

Mit der Seilbahn Meran 2000 fahren wir mit ihm hoch zum Pfiffinger Köpfl auf 2.000 Metern Höhe. Die restlichen Höhenmeter zum „Basecamp“ wandern wir den verschneiten Panoramaweg entlang, der von der Seilbahn-Bergstationzur Mittager Hütte führt. Strahlender Sonnenschein, tiefblauer Himmel und ein spektakulärer Ausblick auf die Gipfel der Dolomiten.

Allein dieser Panoramablick ist schon den Ausflug hier hoch wert. Aber unser Ziel ist das Zeltlager, das bei der Mittager Hütte auf uns wartet. Nach gut einer halben Stunde zeichnen sich die gelben Zeltkuppen des Salewa Base Camp vor dem beeindruckenden Gipfelpanorama ab. Die Finger sind vom Wandern inzwischen so weit ausgekühlt, dass man eine gute Entschuldigung für den Jagatee hat, mit dem Hüttenwirt Markus Göller schon auf die „Expeditionsteilnehmer“ wartet. Und im Kamin der Hütte knistern schon gemütlich die Flammen. Also raus aus den Bergschuhen und rein in die flauschigen Filz-Hausschuhe, Zehen aufwärmen am Feuer.

Tee im Basecamp in den Südtiroler Alpen

Warmer Tee, denn die Nacht wird kalt

Die Expeditionszelte, schon mit Lampen bestückt und dadurch in der hereinbrechenden Dämmerung effektvoll illuminiert, bleiben vorerst Kulisse für den Hüttenabend. Erst einmal sitzt man beim Fondue gemütlich in großer Runde zusammen. Und der Kaiserschmarrn zur Nachspeise darf auch nicht fehlen. Schließlich braucht man Energie für die Nacht in der Kälte – eine gute Rechtfertigung fürs Schlemmen.

Irgendwann aber wird es dann doch Ernst: Raus aus der warmen Hütte und durch Dunkelheit und Schnee zum Zelt gestapft. Das erste Hineinleuchten mit der Taschenlampe aber macht Hoffnung, dass die Nacht nicht allzu ungemütlich wird: Das Expeditionsquartier ist kuschelig ausgestattet, nicht nur mit einem dicken Winterschlafsack, sondern auch noch mit flauschigem Kunstfell und weicher Decke. Ein warmes, gemütliches Nest. Und so fühlt es sich auch an, wenn man dann im Schlafsack liegt. Von den zehn Grad unter Null, die draußen herrschen, ist so gut verpackt nichts zu spüren, selbst wenn man wie ich ganz allein im Zelt liegt. Die meisten Winter-Camper haben aber ohnehin einen Partner zum gegenseitigen Wärmen dabei.

In der wohligen Wärme döse ich schnell weg. Doch in den Halbschlaf dringt allmählich dieses Geräusch: Ein Zerren und Flattern, das immer lauter zu werden scheint. Der Wind hier oben auf dem Plateau ist stärker geworden. Er reißt an den Zeltwänden. Die Heringe, mit denen das Zelt im Schnee verankert ist, sahen ja sehr massiv aus. Aber kann es nicht doch weggeblasen werden?

Basecamp Meran

Wie eine Perlenkette: die Zelte des Basecamps

Vorsichtshalber der Griff zur Taschenlampe. Ich quäle mich aus dem warmen Schlafsack, um einen vorsichtigen Blick nach draußen zu werfen, die Lage zu erkunden. Es bläst kräftig. 80 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit, wird Hüttenwirt Markus am nächsten Morgen erzählen. Jedenfalls wirbelt es den Schnee ordentlich durch die Luft. Vor dem Zelteingang hat sich schon eine kleine Wehe angesammelt. Plötzlich kommt doch noch so etwas wie Expeditionsfeeling auf. Was, wenn ich ganz eingeschneit werde? Sollte ich mich doch lieber in der Hütte in Sicherheit bringen, wo ein Bettenlager wartet? Die Lust, jetzt durch das Schneetreiben dorthin zu laufen, ist andererseits auch begrenzt – selbst wenn es nur ein paar Meter sind.

Der Gedanke, dass  irgendjemand mich zur Not schon wieder ausgraben wird, lässt mich halbwegs entspannt wieder zurück in den Schlafsack kriechen und weiter dösen. Das ist schließlich der Unterschied zum echten Expeditionserlebnis: Hier geht sicher niemand am Berg verloren. Und am nächsten Morgen wartet in der Hütte schon ein üppiges Frühstück, bevor es mit der Seilbahn wieder hinunter geht nach Meran.

Basecamp-Zelt  in den Südtiroler Alpen bei Meran

Fast eingeschneit am Morgen danach

Bei der Fahrt bergab denke ich mir: So ein bisschen Expeditionsfeeling in dem Bewusstsein, dass die warme Hütte für alle Fälle ganz in der Nähe ist – das ist schon ein Erlebnis. Auf eine echte Expedition, womöglich tagelang eingeschneit auf einem stürmischen Gipfel, kann ich aber wohl doch verzichten.

Das Salewa Basecamp findet noch bis 23. Dezember im Wintersportgebiet Meran 2000 über der Kurstadt Meran statt. Eine Nacht mit Salewa Expeditionszelt und Fellwinterschlafsack inklusive Hin- und Rückfahrt mit der Seilbahn Meran 2000, geführter Wanderung und Verpflegung kostet insgesamt 110,00 € pro Person. Anmelden kann man sich per Mail an info@meran.eu oder telefonisch unter der Nummer +39 0473 272000. Nähere Infos gibts unter www.meran.eu.