In neuen Sphären schweben

Gondeln mit Open-Air-Deck, Saunaabteil oder BMW-Ledersitzen: Bei vielen Bergbahnen geht es nicht mehr nur um den bloßen Transport. Für Wow-Effekt sorgen auch futuristische Bauten wie die jüngst eröffnete Wildspitzbahn. MONTE-Autor Christian Haas auf Berg- und Talfahrt.

High-Tech-Gondel in Südtirol
Die Zeiten großer Skigebietserweiterungen sind vorbei. Dafür rüstet man die Bergbahnen auf: Sie werden geräumiger, schneller, bequemer und mit immer mehr Features ersehen, von Sitzheizung (dieses Jahr neu am Allgäuer Hündle) über WLAN (etwa in Schladming) bis zur iPod-Dockingstation (in Aspen). Und dann setzen manche Betreiber auch auf futuristische Architektur am Ski-Berg. Die in bis zu 400 Meter Höhe schwebende 3S-Bahn in Kitzbühel, die durch bizarre Stahlskelette glänzende Gaislachkoglbahn in Sölden oder die mit einem riesigen Schwungrad versehene Galzigbahn in St. Anton sind dafür gelungene Beispiele. Erst vor Kurzem wurde das spektakulärste Projekt der aktuellen Saison eröffnet: die neue Wildspitzbahn am Pitztaler Gletscher, auf 3440 Metern Höhe. Wie eine sanft geschwungene Schneewechte hat der Vorarlberger Architekt Carlo Baumschlager die Bergstation samt frei schwebender Terrasse mit Glasfront und einem hellen Restaurant auf den Hang gesetzt. Über das Projekt dürfen sich nicht nur Architekturfans und Skifahrer freuen, sondern auch Urlauber ohne derartige Ambitionen.

Hungerburgbahn in Innsbruck in Tirol (Österreich)
Denn mit dem „Café 3.440“ eröffnete Anfang November auch Österreichs höchstgelegenes Café. Mit dem höchsten kostenlosen W-Lan und einer Kombination aus traditioneller Kaffeekultur und modernem Loungeambiente reicht das Angebot von Kaffee Advokat über Tiramisu-Milchkaffee bis hin zur heißen weißen Schokolade sowie ausgesuchten Kuchensorten aus der hauseigenen Konditorei der Gletscherrestaurants und Sandwiches. „Bewusst haben wir uns für eine gehobene Kaffeekultur entschieden. Damit hebt sich das Café von der üblichen Hüttenatmosphäre ab. Für den Besucher schafft neben dem Kaffeegenuss und der Aussicht auch die Innenausstattung aus Eichenholz ein ganz besonderes Erlebnis“, so Stefan Richter, Marketingleiter der Pitztaler Gletscherbahn.
Die Pitztaler setzen also auf Architektur und Chill-Atmosphäre, andere Bergbahnbetreiber auf ungewöhnliche Gondel-Konzepte. Gäste der Arberbahn im Bayerischen Wald können etwa in ganz spezielle Gondeln einsteigen, von der Fußball- über die Präsidenten- bis zur Kuschelgondel. Letztere kostet allerdings wie die Hochzeitsgondel einen kleinen Aufpreis. Einen Extra-Obolus kostet auch die Fahrt im finnischen Ylläs, wo eine Saunagondel ihre Runden dreht – mit echtem Holzofen. Weltweit einmalig: Das ist auch die neue Cabriobahn am Stanserhorn in der Schweiz: Von Mitte April bis Mitte November gewährt das Open-Air-Deck irre 360-Grad-Ausblicke.
In Ledersesseln bergauf
Im besten Sinne irre ist auch das Anfang Dezember startende Gondelprojekt in Hochzillertal. In Kaltenbach kommt dann die BMW-Gondel zum Einsatz, die erste dieser Art. Die von der Firma Leitner gebaute Gondel sieht von außen relativ normal aus – hier kommt es auf die inneren Werte an. Die schwebende Fahrgastzelle bietet reichlich Platz für zwei Personen und garantiert Fahrkomfort auf höchstem Niveau: Ledersitze, Soundsystem, Navigation und Heizung sind ganz ähnlich wie im neuen 7er BMW gestaltet. Sogar Getränkehalter sind vorhanden.
BMW-Gondel im Hochzillertal in Tirol (Österreich)Doch in den Genuss der BMW-Gondel kommen Skifahrer nicht zufällig, sie müssen schon extra dafür zahlen. Und vor allem vorab buchen, auf www.vipgondel.at oder www.hochzillertal.com. Das Buchungspaket enthält dann einen reservierten Parkplatz direkt an der Talstation und Skitransportservice bis zum exklusiven Wartebereich der Seilbahn. Dort genießen die Edel-Gäste auf der weißen Ledercouch genussvoll ein Glas Champagner, bis die Gondel einfährt. Das Paket kostet samt Gepäckservice und Champagner 50 Euro für zwei Personen.