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LaBrassBanda: Übersee

LaBrassBanda Cover BildAlbum Nr. 2 ist da! LaBrassBanda aus dem Chiemgau legen nach und festigen mit dem Album Übersee ihren Ruf als intelligente Gaudi-Buam.

Der Senkrechtstart der bayerischen LaBrassBanda-Burschen war unüberhörbar und auf den einschlägigen Bühnen der Szene auch nicht zu übersehen. Innerhalb kürzester Zeit war man da, wo andere selbst mit größter Anstrengung nie hinkommen werden: im siebten Himmel des Pop-Business. Und das mit einer Musik, die so ungewöhnlich wie international kompatibel ist, die sich sowohl auf bayerischer Blasmusik als auch auf massentauglichem Dancefloor gründet, die in Nowosibirsk genauso gut funktioniert wie Rosklilde oder im Bad Reichenhaller Gemeindehaus.

Habediehre war unerhört einfallsreich, unerhört neu und erfrischend anders. Bayerisches Blech im HipHop-, Techno- und Balkan-Gewand, zungenbrecherischer Dialekt-Rap, knallige Polka und schwerer Dubreggae. Da stellte sich zwangsläufig die bange Frage: wie wird nun der Nachfolger sein? Gelingt es den fleißigen Männern von LaBrassBanda aus Übersee, das Niveau zu halten, die Sache gar noch zu toppen oder folgt nun der langsame Tod einer Eintagsfliege?

Übersee gibt eine Antwort, die irgendwie kein eindeutiges Ja oder Nein zulässt. Der Erfolgsdruck war da, zweifelsohne, sicher aber auch die pragmatische Einstellung, dass wenn’s nix wird, wird’s halt nix. Insofern mag der Zwang, einen weiteren Überflieger abliefern zu müssen, vielleicht etwas gemindert gewesen sein. Feststeht aber, wer Habediehre ausgiebigst konsumiert hat, wird auch Übersee mögen.

labrassbanda_band BildTrotzdem und vielleicht gerade deswegen hält sich eine neuerliche Euphorie in Grenzen. Alle Elemente des Debutalbums tauchen wieder auf: die Mundart, das Blech, die Beats. Alles neu kombiniert, vielleicht etwas ausgefeilter umgesetzt und in appetitlichen Stückchen serviert. Einen würdigen Nachfolger des Dampfhammers „Autobahn” sucht man diesmal jedoch vergeblich. Die Fieberkurve verläuft insgesamt gesehen nun etwas flacher und entspricht einem Brass-Pop, der nun konsequenter auf ein größeres Publikum getrimmt ist. Weil es aber ein wenig anstregend ist, 13 Abgehnummern am Stück zu produzieren, ist die Setliste immer wieder durch gemächliche Dubreggae-Stücke und jazzige Blechpoesie entschleunigt. LaBrassBanda haben mit Übersee die von ihnen erwartete Fortsetzungsgeschichte abgeliefert und sind dabei etwas kompatibler und funkiger geworden. Mit anderen Worten: Statt mit dem alten Traktor durch die Lande zu tuckern, hat man sich nun einen etwas bequemeren und flotteren Jetta zugelegt. Ein standesgemäßes Update also. Und noch ein Tipp für alle, die auch noch die letzten poetischen Feinheiten mitbekommen möchten: Alle Texte sind auf der Webseite der Band nachzulesen. _ Text: Klaus Halama

LaBrassBanda
Titel: Übersee
Label: Trikont
Vertrieb: Indigo
www.labrassbanda.com