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Nackt klettern – „Ein schmaler Grat“

Alex Wenner hat eine ungewöhnliche Leidenschaft: Er fotografiert Frauen und Männer beim Klettern – und die sind nackt. Seine Kunst heißt „Aktbouldern“.

Monte: Was ist schöner? Ein nackter Fels oder ein nackter Mensch?

Alex Wenner: Beides zusammen ist das Allerschönste, wobei wir ja beim Bouldern eher von Blöcken sprechen und nicht von Felsen. Ein Fels ragt weit über die Baumgrenze hinaus, der Block aber liegt tief im Wald drin – und er ist in der Regel eher häßlich und dunkel. Oft sind diese Blöcke sogar so bemoost, dass wir sie erst mit Bürsten putzen, bevor wir da überhaupt klettern. Nackte Menschen in dieser Umgebung schön und erotisch zu fotografieren ist gar nicht so einfach.

Monte: Klettern ist sehr körperbetont. Ist dieser Sport erotisch?

Wenner:Ich glaube schon. Kletterer haben ein sehr ausgeprägtes Körperbewusstsein, weil sie das Zusammenspiel von Muskeln und Koordination andauernd perfektionieren. Sowas ist schon eine Form von Erotik. Beim Mann ist es eher die ausgeprägte Muskulatur, bei der Frau sticht das ins Auge, was auch im Alltag am meisten auffällt: ein knackiger Hintern zum Beispiel.

Monte:Klettern Ihre Modelle wirklich nackt oder sind Ihre Fotos eher Posen?

Wenner: Nacktkletterer kenne ich eigentlich nicht… . Das Bouldern gibt die Bewegung vor und deswegen ist es natürlich ein schmaler Grat, nicht zu viel Einblicke zu gewähren, um nicht ins Schmuddelige oder Pornografische abzurutschen.

Monte: Fotografieren Sie eigentlich lieber Frauen oder Männer?

Wenner: Frauen. Aber das ist, glaube ich, genetisch bedingt. Eine Frau hat einfach ein ästhetischeres Verständnis, sie ist geschmeidiger. Aber Sie können mir glauben, dass es keine erregende Situation ist, wenn man durch den Sucher einer Kamera schaut und sich auf ein gutes Bild konzentriert.

Monte: Und wie reagieren die Leute, die angezogen an euch vorbei klettern, während Sie Fotoaufnahmen machen?

Wenner: Die wissen halt nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen: Hingucken? Wegklettern? Einmal haben wir auch in einer Burg fotografiert jund plötzlich stand auf dem Nachbarturm eine Wandergruppe. 20 Leute, teilweise mit Ferngläsern, die das nackte Model bestaunt haben. Da mussten wir uns ganz schnell verziehen.

Monte: Sie haben mit ihren Aktfotos in den vergangenen Jahren zusammen mit dem Grafiker Kai Richelsen bereits vier eigene Kalender bestückt. Gibt es davon bald eine Neuauflage?

Wenner: Möglicherweise im nächsten Jahr. Aber vielleicht gibt es auch mal einen Bildband… .

Monte: Sie selbst klettern seit über 20 Jahren – darunter Touren von einem Schwierigkeitsgrad von bis zu 10+. Ist das Leben irgendwann nur noch eine Wand?

Wenner: Jedenfalls ist es für mich ohne die Wand undenkbar. Ich ging mal eine Weile Fallschirmspringen, aber das habe ich nicht lange ausgehalten. Diese ganze Euphorie, das Hinfiebern auf neue Routen fehlte mir irgendwann. Dieses Gefühl, ausgelaugt zu sein, das Brennen der Muskeln. Und das Schönste: Klettern macht den Kopf frei, weil man sich nur auf die Bewegungen konzentriert.

_ Interview: Stefan Ruzas Fotos: Alex Wenner/Palatinum Arts